Tango ist "Weltkulturerbe"
Tango-Tänzer dürfen sich künftig als Hüter des Kulturerbes der Menschheit fühlen: Die UNESCO nahm den südamerikanischen Traditionstanz, der von George Bernhard Shaw auch als "vertikaler Ausdruck eines horizontalen Verlangens" beschrieben wird, am Mittwoch den 30. September 2009 in Abu Dhabi auf die "Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit" auf. Mit ihr will die UN-Organisation dazu beitragen, die Vielfalt der kulturellen Ausdrucksformen zu bewahren. Auch besondere Feste, Rituale oder Handwerkstechniken sind aufgeführt.
Neben dem Tango würdigte die UNESCO am Mittwoch zahlreiche weitere kulturelle Ausdrucksformen mit einem Platz auf der Liste, unter anderem die Heilig-Blut-Prozession im belgischen Brügge, den kolumbianischen Karneval von Schwarzen und Weißen (Carnaval de Negros y Blancos) und eine indonesische Batik-Technik. Am stärksten ist mit knapp 30 Positionen China auf der seit 2008 existierenden Liste vertreten. Allein am Mittwoch kamen 20 neu dazu, darunter das Drachenboot-Festival.
Die Liste existiert seit 2008 und hat nun über 100 Einträge. Darunter finden sich der georgische Polyfongesang, das sizilianische Marionettentheater, der Kulturraum der Beduinen in Petra und im Wadi Rum, das Schattentheater der Khmer in Kambodscha, das mexikanische Totenfest, die palästinensische Erzählform "Hikaye", die experimentellen Gesänge der Pygmäen, das Erbe des Zápara-Volks im amazonischen Regenwald sowie Musik-, Tanz- und traditionelle Rituale aus allen Kontinenten. Ein deutsches Brauchtum ist nicht dabei.
Hormone
Der gerade zum Weltkulturerbe ernannte Tango hebt nicht nur die Stimmung, sondern hat auch nachweislich Einfluss auf die Menge der Stress- und Sexualhormone.
Das mit Stress assoziierte Hormon Cortisol nimmt beim Tanzen ab, dagegen schüttet der Körper beider Partner in erhöhtem Maß das Sexualhormon Testosteron aus. Das fand die kolumbianische Psychologin Cynthia Quiroga Murcia in ihrer Doktorarbeit an der Frankfurter Universität heraus. Nach Angaben der Hochschule vom Donnerstag entnahm Quiroga Murcia 22 Paaren vor und nach dem Tanzen Speichelproben und ermittelte deren Hormonkonzentration. Zudem bat sie die Tänzerinnen und Tänzer um eine Einschätzung ihrer Emotionen mit Hilfe eines standardisierten Testbogens.
Um herauszufinden, ob die Tango-Effekte eher auf die Musik, die Bewegung oder die Berührung mit einem Partner zurückgehen, untersuchte Quiroga Murcia die Faktoren getrennt und in verschiedenen Kombinationen. Es zeigte sich, dass die Reduktion des Stresshormons Cortisol vor allem der Musik zu verdanken ist. Die Ausschüttung von Testosteron geht dagegen auf den Kontakt und die Bewegung mit dem Partner zurück. Treffen alle drei Faktoren zusammen, sind die positiven hormonellen und emotionalen Reaktionen am stärksten.
Damit bestätige sich die empirische Erkenntnis von Paartherapeuten, die Tango-Tanzen dazu einsetzen, verfahrene Beziehungen zu retten, schreibt die Universität. Quiroga Murcia hat die Studie 2009 im Journal «Music and Medicine» (Bd. 1, Nr. 1, S. 14) veröffentlicht.